Kunstgiesserei Flierl

Metallguss in Bronze, Aluminium und weiteren Metallen


 

Wir gießen Plastiken, ob mini oder monumental, insbesondere in hochwertiger Siliziumbronze, Aluminium und Silber, aber auch Eisen bieten wir an. Dabei wenden wir das klassische Wachsausschmelzverfahren in Schamotte oder ceramic shell an. Dieses Metallguss-Verfahren ermöglicht die Herstellung mehrere Exemplare und die Wiedergabe feinster Oberflächenstrukturen.
Die Schmelzkapazität des größten Ofens erlaubt das Gießen von Einzelstücken mit einem Gewicht bis 500 kg.

 





Sie möchten einen Bronzeguss im Wachsausschmelzverfahren anfertigen lassen?
Wir beraten und unterstützen Sie gerne!

 

 

 

Vom Modell zum fertigen Bronzeguss: am Beispiel der Plastik “Magdeburger Hirsch” von Martina Seffers

Als erfahrene Kunstguss Manufaktur mit Sitz in Berlin-Weißensee haben wir uns der besonders engen, schöpferischen Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Künstlern verschrieben. An Martina Seffers’ Bronzeskulptur dem “Magdeburger Hirsch”, die in unserer Werkstatt gegossen wurde, möchten wir hier die einzelnen Arbeitsschritte des Bronzeguss-Prozesses erläutern.

 

 
 
Tonmodell für den Metallguss der Hirschbronzefigur.

Martina Seffers arbeitet am Tonmodell des Hirsches.

Der Magdeburger Hirsch als Gipsmodell

Der Hirsch gehört zu den drei bedeutenden Kunstwerken, die im Mittelalter den alten Markt Magdeburgs zierten. Magdeburger Reiter, Roland und Hirsch bildeten als Dreigestirn ein Symbol für das Selbstbewusstsein der Stadt. Sowohl der Hirsch wie auch der Roland wurden im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Um das mittelalterliche Figuren-Ensemble wieder zu komplettieren, beauftragte der Förderverein „Denkmalensemble Alter Markt“ die Künstlerin Martina Seffers mit der Gestaltung der Hirschfigur aus Bronze. Die Vorlage für das Modell fand Seffers in der “Chronica der Sachsen und Niedersachsen” von Johannes Pomarius aus dem Jahr 1589, wo Hirsch, Reiter und Roland auf Holzschnitten abgebildet sind.

 
 
Auftragen der Gipsschicht als eine Etappe im Bronzeguss Verfahren.

Für die Negativform aus Gips trägt die Künstlerin eine Gipsschicht auf das Tonmodell auf.

Anhand dieser Abbildung erarbeitete die Künstlerin ein Tonmodell der Hirschplastik, das der späteren Größe der Plastik entspricht. Von diesem Tonmodell fertigte die Künstlerin anschließend ein Gipsmodell, das sie dann der Gießerei als Grundlage für den Herstellungsprozess in Bronze zur Verfügung stellte. Die Kunstgießerei Flierl unterstützt Künstler aber auch im Modellbau bzw. übernimmt die Anfertigung von Vergrößerungen und Verkleinerungen.

 
 
urmodell-des-hirschkopfes-aus-gips

Der Kopf des Hirsches aus Gips.

Die einzelnen Gussteile

Weil der Hirsch nicht im Ganzen abgeformt und gegossen werden kann, wird das Gipsmodell zunächst in einzelne Teile, nämlich Beine, Kopf und Oberkörper zerlegt.

 
 
Silikonform für das Hirsch Ohr in den Gipskappen.

Urmodell: Silikonform für das Hirsch-Ohr mit Stützkappe.

Negativform aus Silikon

Von den Gipsfragmenten des Hirsches werden nun Silikonformen hergestellt, die in der Regel aus zwei Formhälften bestehen. Zunächst wird eine Trennlinie aus Ton modelliert, die die Teilungsnaht definiert. Entlang dieser wird das Modell auf jeder Seite jeweils mit einer Silikonschicht bedeckt. Aufgrund der Flexibilität benötigt die Silikonform eine Stützkappe aus Gips, die das Silikon in Position hält. Die Silikonform bildet die Oberfläche des Originals genau ab.

 
 
Bearbeitung des Wachsmodells.

Martina Seffers retuschiert das Wachsmodell.

Das Wachsmodell als Grundlage für den Guss

Das Wachsmodell bildet die eigentliche Grundlage für den Guss. Der Künstler kann im Wachs noch gewisse Details verändern und kontrollieren, ob alles dem Original entspricht. Im 4 mm dicken Wachsmantel ist die Gipsschicht, der sogenannte Kern.

 
 
Hirschkopf mit Eingusssystem für den Bronzeguss

Das Hirschkopf-Wachsmodell mit Eingusssystem.

Unsere Mitarbeiter in der Gießerei pinseln die Silikonform mit einer dünnen Wachschicht aus. Ist diese Schicht gepinselt, wird die Form zusammengelegt und mit Wachs ausgeschwenkt, damit sich die Trennlinien schließen. Diese Wachsschicht entspricht der späteren Wandstärke der Bronzeplastik. In diesem Beispiel ist das Wachsmodell des Hirschkopfes in einer Stärke von ca. 3-4 mm abgebildet. Das Wachsmodell erhält außerdem einen Kern und einen Mantel aus einem feuerfesten Material: Gips-Schamotte oder Keramik.

 
 
Hirschtorso mit Eingusssystem in der Werkstatt Flierl Berlin

Torso des Hirsches in zwei Wachs-Teilen mit Eingusssystem und Kern aus Gipsschamotte.

Das Eingusssystem für den Metallguss

Damit sich die Bronze beim späteren Gussvorgang gleichmäßig verteilt und die Luft entweichen kann, werden an das Wachsmodell Einguss- und Entlüftungskanäle angebracht.

 
 
Gips Schamotteform

Gussformen für den Metallguss.

Die Gips-Schamotteform und das Ausbrennen von Wachs

Danach wird das Wachsmodell mitsamt dem Angusssystem in Gips-Schamotte bzw. eine keramische Masse eingebettet. Beim anschließenden Brennvorgang wird die keramische Masse fest gebrannt und das Wachs schmilzt komplett aus – die eigentliche Gussform ist entstanden, deren Hohlraum dem späteren Gussresultat entspricht.

 
 
Bronze gießen lassen in der Kunstgießerei Flierl

Hier wird Bronze gegossen.

Das Bronze-Gießen beginnt

In die entstandene Gussform wird das Metall, Bronze, Aluminium oder auch Silber gegossen. Um bei der Gusstechnik ein ideales Ergebnis zu erreichen, muss zuvor Schlacke abgeschöpft werden. Mithilfe eines Schwenkgestells wird die Bronze präzise in den Einfülltrichter der Schamotteform gegossen. Bei kleineren Formen werden Gusskellen verwendet. Dann heißt es: Abwarten bis die Bronze erkaltet ist.

 
 
nach-dem-freilegen-hinterteil

Der freigelegte Rohguss.

Die Rohguss-Freilegung und -Bearbeitung

Mit der Abkühlung erhält der Werkstoff seine eigentliche Härte, die es erlaubt, mit einem Kärcher und Sandstrahlgeräten die hartgebrannte Keramik-/ Schamotteform vom Metall zu lösen und den Rohguss freizulegen.

 
 
rohguss-vor-dem-schweissen

Teile des Hirschkopfes vor dem Zusammenschweißen.

Im nächsten Schritt werden die Anguss-Kanäle abgeflext und die separierten Gussteile zusammengeschweißt. Kleine Fehlstellen werden in filigraner Handarbeit ausgebessert und der Roh-Guss ziseliert, sodass die Oberfläche dem originalen Ausgangsmodel vollkommen entspricht. Im letzten Schritt erhält der Bronzeguss noch die Patina - eine chemische Einfärbung der Oberfläche, die nach Wunsch des Künstlers ausgeführt wird.

 
 

Bronzeguss des Hirsches auf dem Marktplatz in Magdeburg.

Im November 2012 wurde der Bronzeguss feierlich auf dem Marktplatz in Magdeburg enthüllt.